ProVeloTour

Waiblingen Start am Rathaus - ADFC und ProVelo machen mit OB Sebastian Wolf eine politische Radtour in und um Waiblingen - die Aktivisten wollen die Schnellradwege RS5 und RS8 anders verbinden - Foto Gaby Schneider -

Radschnellwege RS5 und 8: Wie verbinden in Waiblingen? Und wann überhaupt?

Bis die geplanten Radschnellwege aus Richtung Schorndorf und Ludwigsburg in Waiblingen zusammentreffen und von dort via Fellbach weiter nach Stuttgart verlaufen, wird es noch lange dauern. Schon jetzt stellt sich aber die Frage: Wie sollen RS5 und RS

Bis die geplanten Radschnellwege aus Richtung Schorndorf und Ludwigsburg in Waiblingen zusammentreffen und von dort via Fellbach weiter nach Stuttgart verlaufen, wird es noch lange dauern. Schon jetzt stellt sich aber die Frage: Wie sollen RS5 und RS8 in der Stadt Waiblingen miteinander verknüpft werden? Die Radaktivisten von ProVelo schlagen Alternativen zur bislang angedachten Trasse vor. Auch sonst wünschen sie sich viele kleine Verbesserungen für den Fahrradverkehr. Einige will die Stadt umsetzen, andere prüfen.

OB Wolf: "realistisch bleiben" bei Radwegen in Waiblingen

Der RS5 von Schorndorf und Weinstadt soll Waiblingen im Süden entlang der B29/B14 tangieren. Der RS8 von Ludwigsburg und Remseck via Hegnach soll aus nördlicher Richtung an den Bahngleisen in der Kernstadt entlang zum Bahnhof führen. Die Stadt sieht bisher vor, dass es dann entweder über die Stuttgarter Straße weitergeht oder über die Gänsäckerstraße am Remspark vorbei bis zur Bundesstraße. Kurz vor Fellbach würden die Radschnellwege so miteinander verbunden.

ProVelo hält die eine Variante für zu schmal, die andere für unattraktiv für Pendler, die zügig vorankommen wollen. Die Alternativen der Rad-Aktivisten um den promovierten Ingenieur Andreas Schwager: die Radschnellwege weiter östlich verbinden und dabei die Altstadt besser „mitnehmen“ oder die bei Radlern beliebte Strecke an der Rems nutzen. Für den Weg von der Eisenbahnbrücke in Waiblingen zum Viadukt in Endersbach wären beide Trassen kürzer, so Schwager.

Radschnellwege im Rems-Murr-Kreis: Entschieden ist noch lange nichts

Bei der jährlichen „Gemeinderad(t)-Tour“ von ProVelo und Fahrradclub ADFC sind die Aktivisten nun mit Oberbürgermeister Sebastian Wolf, Verwaltungsangestellten und Stadträten ihre beiden Trassenideen abgefahren. Immer wieder zeigte sich dabei: Es prallen viele Verkehrsinteressen aufeinander, beispielsweise am Alten Postplatz. Einen „echten“ Radschnellweg, mit drei Meter Breite bei einem Einrichtungs- bzw. vier Meter Breite bei einem Zweirichtungsweg, wird es in der Kernstadt an vielen Stellen wohl nicht geben können, lässt die Verwaltung durchblicken. Auch in Fellbach sind die Planungen dazu bereits abgespeckt worden. OB Wolf verwies auf die „gewachsenen“ Strukturen. Man müsse „realistisch“ bleiben. Andreas Schwager hielt mit dem Beispiel Niederlande dagegen.

Entschieden ist noch lange nichts. Und Zeit ist eh noch, denn auch die überörtlichen Radschnellwege lassen auf sich warten. Beim RS8 Ludwigsburg-Waiblingen heißt es auf der Website (Stand 19.6.24) zwar immer noch: „Bau (geplant ab 2024)“. Doch aktuell laufen gerade erst die "faunistischen Untersuchungen" an den Trassen, die noch bis ins Frühjahr 2025 dauern, so Torsten Sobotta, stellvertretender Leiter der Stabsstelle Radwege im Landratsamt Rems-Murr, gegenüber der Redaktion. Dabei geht es um die Tierarten dort. "Für das kommende Jahr sind verschiedene Bebauungsplanverfahren angedacht, so dass eine bauliche Umsetzung des ersten Teilabschnitts im Rems-Murr-Kreis ab dem Sommer 2026 eingeplant ist."

Und zum RS5 Schorndorf-Fellbach lautete der letzte Stand (Dezember 2023): Planung und Genehmigung bis Herbst 2025, dann Bau bis Ende 2027. Und das galt nur für den „leichten“ Teil, von Fellbach bis Grunbach, entlang der B29. Von Grunbach bis Schorndorf hingegen wurde mit einem Baubeginn nach dem Sommer 2026 gerechnet. Dieser Stand ist auch jetzt noch aktuell, bestätigt Sobotta.

 

Eine Liste an Verbesserungsideen - teils mit Zusage

Bei der Radtour in Waiblingen ging es nun aber auch um viele kleinere Verbesserungen. Hier einige Beispiele:

  • Mit dem Postplatz ist niemand zufrieden. Aus ProVelo-Sicht fehlt zwischen den Geschäften am Eingang zur Fußgängerzone/Lange Straße eine übersichtliche Führung für Radfahrer. Das sei gefährlich. Auch OB Wolf hält die Stelle für „überarbeitungswürdig“. Die Planungsaufträge für das gesamte Areal seien vergeben, dabei solle auch die Verkehrsführung verbessert werden. Keine Einigkeit gibt es an der Kreuzung Alter Postplatz/Mayenner Straße/Bahnhofstraße. Eine „Katastrophe“, so Schwager. Er möchte hier Autospuren streichen und dem Radverkehr überlassen. Die Verwaltung hält das wegen der Hauptknotenfunktion für nicht machbar, auch wegen der Buslinien. Kleinteilige Lösungen helfen nicht, meint der städtische Rad-Koordinator Anselm Kick. Man müsse grundsätzlich ran. OB Wolf verspricht, „Impulse“ mitzunehmen.
  • Hausgärten: Die Straße ist eng, in der Kurve begegnen sich Autos und Radfahrer, die hier in beide Richtungen fahren dürfen. Das führe oft zu unangenehmen Überraschungen, berichten die ProVelo-Leute. Stadträte bestätigen das. Könnte man hier deutlicher auf etwaigen Radgegenverkehr aufmerksam machen? Bei der Verwaltung ist das Thema wegen personeller Kapazitäten „leider eingeschlafen“, so Anselm Kick. Man wolle bald eine Lösung hinkriegen. Der OB befürwortet das.
  • An der Eisenbahnbrücke in der Schmidener Straße ist viel los, aber es ist eng. Die Stadt plant hier laut ProVelo, den Zwei-Richtungs-Radweg an der nördlichen Unterführungsseite, auf der Autos Richtung Schmiden fahren, breiter zu gestalten als auf der Südseite. Nach Ansicht der Aktivisten müsste es andersherum sein. Sie argumentieren mit GPS-Daten aus einer Fitnessapp, die auch von Radfahrern genutzt wird. Der städtische Radkoordinator Kick hält den Hinweis für gut. „Wir setzen uns damit auseinander.“
  • An mehreren Ampelkreuzungen sollte es grüne Rechtsabbiegerpfeile für Radfahrer geben, findet ProVelo. Auch bei Rot dürften sie dann immer nach rechts weiterfahren, wenn der Verkehr es zulässt. Schon 2022 hatte die Gruppe das im Rahmen von Haushaltsberatungen beantragt, wie es in Waiblingen generell möglich ist. Die Verwaltung wollte das prüfen. Was daraus geworden ist, möchte Andreas Schwager gern wissen. OB Wolf kann das ad hoc nicht beantworten, verspricht aber, dazu bald eine Rückmeldung zu geben.
  • Der Luisensteg über die Rems, zwischen Freibad und Talauepark, darf von Fahrrädern nicht mehr befahren werden. Früher war das anders. ProVelo wünscht sich, die schmale Brücke wieder freizugeben, vielleicht mit einem Schild, das zur Rücksichtnahme aufruft. Die Verwaltung weist darauf hin, dass die Trennung - Fußgänger auf der einen Remsseite, Radler auf der anderen - gewollt sei, für mehr Sicherheit. Der OB „möchte nichts versprechen“, nimmt die Idee aber zu Protokoll für weitere Prüfungen.
  • Am Hallenbad führt der Radweg zwischen Beinstein und Altstadt über eine Bordsteinkante, an der Radfahrer hängenbleiben und schwer stürzen könnten, so Schwager. Schon dreimal habe man darauf hingewiesen. Eine „Anrampung“ ist schon seit Dezember beschlossene Sache, aber noch nicht umgesetzt. Der OB sagt zu: Das wird erledigt. Zumindest soll es eine Rückmeldung geben.
  • Das Kopfsteinpflaster am Beinsteiner Tor ruckelt Radfahrer durch. Die Verwaltung sagt zu, eine Lösung zu prüfen.
  • Nicht erfüllbar ist aus behördlicher Sicht hingegen ein größerer Wunsch der Radaktivisten: Zwischen Bürgerzentrum und Hallenbad verläuft an der Alten Bundesstraße der laut Zählungen am meisten genutzte Radweg im Rems-Murr-Kreis, mit 1200 Radfahrern pro Tag, so Andreas Schwager. Doch die Unterführungen sind schmal. ProVelo schlägt vor, dass Radler aus Richtung Schäferkreisel oben auf der großen Straße bleiben und bei der Bushaltestelle Bürgerzentrum auf den Radweg geführt werden. Unmöglich, finden die Verwaltungsleute von Stadt und Landratsamt. Die Situation sei hier viel zu komplex. Sie sind hier klar für Trennung, aus Sicherheitsgründen.

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https://rems-murr.adfc.de/artikel/radschnellwege-rs5-und-8

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